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Balkonkraftwerk in Berlin: Was Sie vor dem Kauf wirklich wissen müssen

Balkonkraftwerk in Berlin: Was Sie vor dem Kauf wirklich wissen müssen

Balkonkraftwerk – das steckt hinter dem Begriff

Seit einigen Jahren taucht der Begriff „Balkonkraftwerk" immer häufiger in Berliner Facebook-Gruppen, Mieterforen und Baumärkten auf. Gemeint ist damit eine kleine Photovoltaik-Anlage mit einem oder zwei Solarmodulen, die sich per Stecker direkt in eine Haushaltssteckdose einspeist. Technisch korrekt heißt das Gerät steckerfertiges Solargerät oder Mini-PV-Anlage. Weil solche Anlagen häufig am Balkon oder auf der Terrasse montiert werden, hat sich der Begriff Balkonkraftwerk im Volksmund etabliert.

Die Idee klingt verführerisch einfach: Modul aufhängen, Stecker rein, Strom sparen. Doch so unkompliziert das Prinzip auf den ersten Blick wirkt – wer in Berlin oder Brandenburg ein Balkonkraftwerk betreiben möchte, sollte einige Dinge genau kennen, bevor er kauft. Denn die technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind keineswegs trivial.

Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk technisch?

Ein Balkonkraftwerk besteht im Kern aus zwei Komponenten: einem oder zwei Solarmodulen und einem sogenannten Mikrowechselrichter. Der Mikrowechselrichter wandelt den Gleichstrom der Module in netzkonformen Wechselstrom um und speist diesen in die Hausinstallation ein. Der selbst erzeugte Strom wird dann bevorzugt von den gerade laufenden Verbrauchern genutzt – Kühlschrank, Fernseher, Ladegeräte. Was nicht verbraucht wird, fließt ins öffentliche Netz, ohne dass Sie dafür eine Vergütung erhalten.

Die in Deutschland zulässige Einspeiseleistung für steckerfertige Solargeräte liegt derzeit bei maximal 600 Watt. Das ist die Grenze, die die Bundesnetzagentur und der VDE aktuell vorgeben. Anlagen über 600 Watt Wechselrichterleistung gelten als vollwertige PV-Anlagen und unterliegen dann vollständig dem Erneuerbare-Energien-Gesetz mit allen Anmeldepflichten und Auflagen. Wenn Sie also ein Angebot mit 800-Watt-Modulen sehen – das ist in Deutschland derzeit nicht regelkonform betreibbar.

Was ist der Unterschied zu einer vollständigen Solaranlage?

Ein Balkonkraftwerk ist keine Alternative zu einer Dach-Photovoltaikanlage – es ist ein Einstiegsgerät. Eine vollständige Solaranlage auf dem Berliner Eigenheim erzeugt je nach Dachgröße das Fünf- bis Zwanzigfache an Strom und amortisiert sich deutlich schneller. Wer ernsthaft über Eigenverbrauch und Wirtschaftlichkeit nachdenkt, sollte den Vergleich nicht scheuen.

Balkonkraftwerk in Berlin: Was Sie vor dem Kauf wirklich wissen müssen
Abbildung ähnlich

Anmeldepflicht: Was gilt in Berlin?

Hier wird es für viele überraschend: Ein Balkonkraftwerk muss angemeldet werden. Konkret sind zwei Stellen relevant.

Viele Berliner überspringen diesen Schritt – und riskieren damit rechtliche Probleme, vor allem im Mietverhältnis. Wer als Mieter ohne Anmeldung ein Balkonkraftwerk betreibt, handelt nicht nur gegenüber dem Netzbetreiber pflichtwidrig, sondern möglicherweise auch vertragswidrig gegenüber dem Vermieter.

Wichtig für Berliner Mieter

In Mehrfamilienhäusern brauchen Sie für ein Balkonkraftwerk in der Regel die Zustimmung des Vermieters. Ob dieser verpflichtet ist, zuzustimmen, ist rechtlich noch nicht abschließend geklärt. In der Praxis empfehlen wir: schriftlich anfragen, auf die geringe Einspeiseleistung hinweisen und bei Ablehnung rechtlichen Rat einholen. Eigentümer einer Eigentumswohnung benötigen zusätzlich den Beschluss der Wohnungseigentümergemeinschaft.

Was bringt ein Balkonkraftwerk wirklich – Zahlen, Realismus, Einordnung

Ein Balkonkraftwerk mit 600 Watt Spitzenleistung erzeugt in Berlin im Jahresdurchschnitt etwa 400 bis 550 Kilowattstunden Strom pro Jahr – unter günstigen Bedingungen, also bei guter Südausrichtung und weitgehend unverschattetem Standort. Das entspricht grob dem Jahresverbrauch eines sparsamen Kühlschranks und eines Laptops zusammen.

Bei einem Haushaltsstrompreis von derzeit rund 30 Cent pro Kilowattstunde (in Berlin 2020 ein realistischer Wert) spart ein optimal betriebenes Balkonkraftwerk im Jahr ab etwa 120 bis 165 Euro – wenn der erzeugte Strom tatsächlich selbst verbraucht wird. Das ist die entscheidende Einschränkung: Was ins Netz fließt, bringt Ihnen bei Anlagen bis 600 Watt keine Vergütung.

Szenario Jährlicher Ertrag Ersparnis bei 30 ct/kWh Amortisation (Anschaffung ab 500 €)
Südbalkon, keine Verschattung 500–550 kWh ab 150–165 €/Jahr ab 3–4 Jahre
Südwest-/Südostbalkon, leichte Verschattung 350–450 kWh ab 105–135 €/Jahr ab 4–5 Jahre
Ost- oder Westbalkon, keine Verschattung 250–350 kWh ab 75–105 €/Jahr ab 5–7 Jahre
Nordseitig oder stark verschattet unter 200 kWh unter 60 €/Jahr fraglich

Diese Tabelle zeigt klar: Ein Balkonkraftwerk lohnt sich vor allem dann, wenn der Standort gut gewählt ist und der erzeugte Strom tagsüber tatsächlich genutzt wird – etwa weil jemand im Homeoffice ist oder tagsüber Geräte mit hohem Grundlastverbrauch laufen. Wer tagsüber nicht zuhause ist, verbraucht wenig und speist mehr ein – ohne Ertrag.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Balkon und Ihre Nutzungssituation passen, lohnt sich ein kurzer Check mit unserem Solarrechner.

Video: So funktioniert eine Solaranlage (YouTube)

Montage: Was ist technisch erlaubt und was nicht?

Die Montage eines Balkonkraftwerks klingt einfach – und oft ist sie das auch. Dennoch gibt es einige technische Punkte, die Sie nicht übersehen sollten.

Unser Rat: Lassen Sie die elektrische Einbindung von einem zugelassenen Elektrobetrieb abnehmen. Bei Schäden durch unsachgemäße Installation greift die Gebäudeversicherung möglicherweise nicht.

Balkonkraftwerk oder doch die volle Solaranlage?

Diese Frage stellen uns viele Berliner, die zunächst mit dem Balkonkraftwerk liebäugeln. Die ehrliche Antwort: Für Mieter ohne Dachzugang ist ein Balkonkraftwerk oft die einzige Möglichkeit – und als solche durchaus sinnvoll. Für Hauseigentümer in Berlin und Brandenburg ist es dagegen fast immer wirtschaftlicher, direkt in eine vollwertige Photovoltaikanlage zu investieren.

Eine vollständige PV-Anlage mit Speicher, geplant nach Ihrem tatsächlichen Verbrauch, schöpft das Potenzial Ihres Daches aus und amortisiert sich trotz höherer Anschaffungskosten in einem ähnlichen Zeitraum – dafür aber mit einem deutlich höheren absoluten Ertrag. Wenn Sie Eigentümer sind und überlegen, ob der Schritt sinnvoll ist, empfehlen wir ein persönliches Beratungsgespräch.

Wer sich zunächst mit dem Balkonkraftwerk vertraut machen möchte und dann auf eine größere Anlage umsteigen will, sollte bedenken: Die Investition in das Balkonkraftwerk rechnet sich kaum gegen die spätere Anlage. Es ist kein Baustein, sondern ein separates Gerät.

Einen ersten Überblick über mögliche Systemlösungen finden Sie auch unter unseren Paketen oder in der Übersicht auf der Seite So funktioniert es.

Muss ich ein Balkonkraftwerk in Berlin wirklich anmelden?

Ja. Jedes steckerfertige Solargerät muss im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen und beim zuständigen Netzbetreiber – in Berlin üblicherweise Stromnetz Berlin – gemeldet werden. Das gilt auch für Anlagen mit weniger als 600 Watt. Wer die Anmeldung überspringt, handelt pflichtwidrig und riskiert Probleme bei Schäden und im Versicherungsfall.

Darf ich als Mieter einfach ein Balkonkraftwerk anschließen?

Nein, nicht ohne Weiteres. Als Mieter benötigen Sie die schriftliche Zustimmung Ihres Vermieters. Ob ein Vermieter verpflichtet ist, diese zu erteilen, ist rechtlich noch nicht abschließend entschieden. In Eigentümergemeinschaften ist zusätzlich ein Beschluss der WEG erforderlich. Holen Sie die Erlaubnis immer schriftlich ein, bevor Sie ein Gerät installieren.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk, wenn ich tagsüber nicht zuhause bin?

Nur eingeschränkt. Da der erzeugte Strom bei Anlagen unter 600 Watt nicht vergütet wird, müssen Sie ihn selbst verbrauchen, um wirtschaftlich zu profitieren. Wer tagsüber zur Arbeit fährt und wenig Grundlastverbrauch hat, speist einen Großteil unentgeltlich ins Netz. In solchen Fällen verlängert sich die Amortisationszeit erheblich – oder die Investition rechnet sich kaum.

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