Eine Sonnenblume macht es uns jeden Tag vor: Sie dreht ihren Kopf von früh bis spät der Sonne hinterher, um jeden Strahl einzufangen.
Und jetzt stell dir vor, deine Solarmodule könnten genau dasselbe tun – sich morgens nach Osten neigen, mittags nach oben und abends nach Westen, immer der Sonne entgegen.
Genau das machen Solar-Tracker.
Sie holen aus derselben Anzahl Module deutlich mehr Strom heraus.
Heute schauen wir, wie diese beweglichen Kraftwerke funktionieren – und wann sie sich wirklich lohnen.
Herzlich willkommen beim Solarsorglos-Podcast, hier ist eure Solaria.
Heute geht es um Bewegung auf dem Solarfeld – um Solar-Tracker, also Nachführsysteme, die die Module der Sonne folgen lassen.
Du erfährst, wie viel Mehrertrag das bringt, welche Arten es gibt, wo sich der Aufwand lohnt und wo besser nicht.
Und natürlich ist unser Experte Maik Marx wieder dabei.
Maik, schön, dass du da bist!
Hallo Solaria, hallo an alle da draußen.
Ja, das ist ein Thema, das viel mit Physik und mit gesundem Menschenverstand zu tun hat.
Jeder, der schon mal einen Sonnenschirm im Laufe des Tages umstellen musste, versteht das Prinzip sofort.
Eine feste Anlage schaut immer in dieselbe Richtung – ein Tracker dagegen bleibt der Sonne immer zugewandt und holt damit mehr aus jedem Tag.
Aber wie immer steckt der Teufel im Detail, und genau darüber sprechen wir heute ehrlich.
Dann lass uns vorne anfangen.
Was genau ist ein Solar-Tracker?
Ein Tracker ist im Grunde ein bewegliches Gestell, auf dem die Solarmodule montiert sind.
Statt starr in eine Richtung zu zeigen, dreht oder neigt dieses Gestell die Module im Tagesverlauf, sodass sie immer im optimalen Winkel zur Sonne stehen.
Angetrieben wird das von kleinen Motoren, gesteuert von einer Elektronik, die den Sonnenstand genau kennt.
Das Ziel ist simpel: Je senkrechter das Sonnenlicht auf das Modul trifft, desto mehr Strom entsteht.
Eine feste Anlage erreicht diesen idealen Winkel nur für einen kurzen Moment am Tag – ein Tracker hält ihn über viele Stunden.
Du hast gesagt, es gibt verschiedene Arten.
Welche sind das?
Es gibt im Wesentlichen zwei.
Die erste und häufigste ist der einachsige Tracker.
Er dreht die Module um eine Achse, meist von Ost nach West, und folgt so dem täglichen Lauf der Sonne über den Himmel.
Das ist robust, vergleichsweise einfach und bringt schon einen ordentlichen Mehrertrag.
Die zweite Art ist der zweiachsige Tracker.
Der kann sich um zwei Achsen bewegen – er folgt der Sonne also nicht nur von Ost nach West, sondern passt auch die Höhe an, also den flachen Stand im Winter und den hohen Stand im Sommer.
Damit zeigt er praktisch immer perfekt zur Sonne, ist aber auch deutlich aufwendiger.
Und wie viel mehr Strom bringt das jetzt konkret gegenüber einer festen Anlage?
Das sind beeindruckende Zahlen.
Ein einachsiger Tracker bringt je nach Standort grob fünfzehn bis fünfundzwanzig Prozent mehr Ertrag als eine fest montierte Anlage mit denselben Modulen.
Ein zweiachsiger Tracker kann sogar dreißig bis vierzig Prozent mehr herausholen.
Stell dir das vor: vierzig Prozent mehr Strom aus exakt derselben Anzahl Module, nur weil sie sich bewegen.
Besonders schön ist dabei, dass der Mehrertrag vor allem morgens und abends entsteht – also in den Randzeiten, in denen eine feste Anlage kaum etwas liefert, der Stromverbrauch aber oft hoch ist.
Wo auf der Welt setzt man Tracker eigentlich am stärksten ein?
Vor allem in sehr sonnenreichen Regionen mit viel freier Fläche – in den großen Solarparks in Spanien, in den USA, im Nahen Osten oder in Australien.
Dort, wo die Sonne intensiv und der Himmel meist klar ist, lohnt sich die Nachführung am meisten, weil es viel direktes Sonnenlicht gibt, dem man folgen kann.
In Deutschland mit unserem höheren Anteil an diffusem, bewölktem Licht ist der Vorteil etwas kleiner, aber bei großen Freiflächenanlagen rechnet er sich auch hier zunehmend.
Es ist kein Zufall, dass man die großen Trackerfelder vor allem im sonnigen Süden sieht – aber die Technik kommt auch bei uns immer mehr an.
Das klingt nach einem klaren Gewinn.
Wo ist der Haken?
Du bist ja immer für die ehrliche Einordnung zuständig.
Und es gibt mehrere Haken, über die man offen reden muss.
Der erste: Ein Tracker hat bewegliche Teile – Motoren, Gelenke, Steuerung.
Alles, was sich bewegt, kann verschleißen und braucht Wartung.
Eine feste Anlage hat dagegen praktisch null bewegliche Teile und ist quasi wartungsfrei.
Der zweite Haken: Tracker sind teurer in der Anschaffung, weil die ganze Mechanik dazukommt.
Und der dritte: Sie brauchen mehr Platz.
Weil sich die Module drehen, müssen die Reihen weiter auseinanderstehen, damit sie sich nicht gegenseitig verschatten.
Auf engem Raum verpufft der Vorteil also schnell.
Das heißt, ein Tracker ist nicht für jeden geeignet?
Ganz genau, und das ist die entscheidende Erkenntnis.
Tracker lohnen sich vor allem dort, wo Platz reichlich vorhanden und günstig ist und wo man die Mehrkosten über große Stückzahlen wieder hereinholt – also bei großen Freiflächen-Solarparks.
Dort sieht man heute oft riesige Felder von einachsigen Trackern, die sich im Laufe des Tages gemeinsam wie eine Welle bewegen.
Für so ein Großprojekt rechnet sich der Mehrertrag oft sehr gut.
Für die normale Hausdachanlage dagegen ist ein Tracker fast nie sinnvoll – dazu komme ich gleich noch genauer.
Dann klär das gleich auf: Warum eignet sich ein Tracker nicht fürs Hausdach?
Aus mehreren guten Gründen.
Erstens ist ein Dach statisch nicht dafür gemacht, eine schwere, bewegliche Konstruktion zu tragen, die sich bei jedem Wind anders verhält.
Zweitens wäre die Mechanik auf einem Dach Wind und Wetter besonders ausgesetzt und schwer zu warten.
Und drittens, und das ist der wichtigste Punkt: Solarmodule sind heute so billig geworden, dass es für ein Privathaus fast immer schlauer ist, einfach ein paar feste Module mehr aufs Dach zu legen, als in teure, wartungsintensive Bewegungstechnik zu investieren.
Mehr feste Fläche schlägt bewegliche Technik – auf dem Dach fast immer.
So ein Motor, der den ganzen Tag dreht – verbraucht der nicht selbst viel Strom?
Erstaunlich wenig, das ist eine Sorge, die sich schnell auflöst.
Die Module bewegen sich ja nur sehr langsam, in winzigen Schritten über den Tag verteilt.
Der Strom, den die Motoren dafür brauchen, ist im Vergleich zum Mehrertrag verschwindend gering – wir reden über einen Bruchteil eines Prozents.
Wichtiger ist die Frage der Lebensdauer der Mechanik: Gute Tracker sind auf zwanzig, dreißig Jahre ausgelegt, aber die beweglichen Teile, Lager und Antriebe müssen regelmäßig geprüft und gewartet werden.
Diese Wartung gehört fest zum Betriebskonzept und muss in die Wirtschaftlichkeitsrechnung mit eingehen.
Dann gibt es später keine Überraschungen.
Das ist eine sehr ehrliche Ansage.
Wie ist es bei Freiflächen – gibt es da auch Risiken, etwa durch Wind?
Ja, Wind ist tatsächlich das große Thema bei Trackern.
Eine bewegliche, schräg stehende Fläche bietet dem Wind eine große Angriffsfläche.
Bei Sturm müssen Tracker deshalb in eine sichere Position fahren – meist flach, sodass der Wind über sie hinwegstreicht.
Eine gute Steuerung erkennt aufkommenden Sturm und bringt die Anlage automatisch in diese Schutzstellung.
Das ist eine Frage der richtigen Technik und Planung.
Moderne Tracker haben das sehr zuverlässig gelöst, aber es zeigt: So ein bewegliches System ist anspruchsvoller als ein starres Gestell und gehört in professionelle Hände.
Du hast die gegenseitige Verschattung der Reihen erwähnt.
Wie löst man das clever?
Mit einer pfiffigen Steuerung, die einen schönen Namen hat: Backtracking.
Morgens und abends, wenn die Sonne flach steht, würden sich die gedrehten Modulreihen eigentlich gegenseitig Schatten werfen.
Beim Backtracking dreht die Steuerung die Module in diesen Zeiten bewusst ein kleines Stück aus der idealen Position zurück – gerade so weit, dass keine Reihe die andere verschattet.
Man verzichtet auf einen winzigen Teil des direkten Lichts, vermeidet aber den viel größeren Verlust durch Verschattung.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie viel Intelligenz heute in der Steuerung solcher Anlagen steckt.
Gibt es eigentlich einen klugen Mittelweg zwischen ganz fest und voll beweglich?
Ja, den gibt es, und er wird immer beliebter.
Manche Anlagen nutzen eine sehr einfache, robuste einachsige Nachführung, die nur die wichtigste Bewegung von Ost nach West macht und dabei bewusst auf komplizierte Technik verzichtet.
Diese einfachen Systeme holen einen großen Teil des Mehrertrags, sind aber deutlich weniger anfällig und günstiger als die voll zweiachsigen Tracker.
In der Praxis ist dieser einachsige Tracker für die meisten großen Anlagen der beste Kompromiss aus Mehrertrag, Kosten und Zuverlässigkeit.
Die voll zweiachsigen Systeme bleiben dagegen Spezialfällen vorbehalten, wo wirklich jedes Prozent zählt.
In der letzten Folge ging es um bifaziale Module.
Passt das mit Trackern zusammen?
Hervorragend sogar, das ist eine echte Traumkombination, die man in modernen Solarparks immer häufiger sieht.
Wenn du bifaziale Module auf einen Tracker setzt, addieren sich die beiden Effekte: Der Tracker hält die Vorderseite den ganzen Tag optimal zur Sonne, und gleichzeitig erntet die Rückseite das reflektierte Licht vom hellen Boden.
Beide Mehrerträge zusammen können die Stromausbeute richtig nach oben treiben.
Genau deshalb sind die größten und modernsten Solarparks der Welt heute oft eine Mischung aus beidem – nachgeführte, beidseitige Module.
Das ist sozusagen die Champions League der Freiflächen-Photovoltaik.
Maik, du kennst mich – jetzt kommt mein Lieblingsmoment.
Rechne uns das mal an einem Beispiel vor.
Sehr gerne.
Nehmen wir einen Investor, der auf einer Freifläche einen Solarpark mit einem Megawatt Leistung baut.
Mit einer festen Anlage erzeugt er vielleicht eine Million Kilowattstunden im Jahr.
Setzt er stattdessen einachsige Tracker ein, holt er, sagen wir, zwanzig Prozent mehr heraus – also zweihunderttausend Kilowattstunden zusätzlich, jedes Jahr.
Bei einem Strompreis oder einer Vergütung von, sagen wir, zehn Cent für so eine große Anlage sind das zwanzigtausend Euro Mehrertrag pro Jahr.
Dem stehen die höheren Kosten für die Tracker und etwas mehr Wartung gegenüber.
Bei einem großen Park rechnet sich diese Mehrinvestition oft sehr ordentlich – bei einer kleinen Anlage dagegen nicht.
Es ist immer eine Frage der Größe.
Also entscheidet vor allem die Größe und der Standort über die Sinnhaftigkeit?
Genau so ist es.
Große Fläche, viel Platz, professioneller Betrieb, hoher Strombedarf – dann kann ein Tracker eine ausgezeichnete Investition sein.
Kleines Dach, begrenzter Platz, privater Haushalt – dann lieber feste Module und davon ein paar mehr.
Es gibt eben nicht die eine richtige Lösung, sondern nur die richtige Lösung für die jeweilige Situation.
Genau deshalb ist die ehrliche Beratung so wichtig, statt jedem das teuerste Hightech-System zu verkaufen.
An wen richtet sich diese Technik also konkret?
Vor allem an Investoren, Landwirte und Unternehmen, die größere Freiflächenanlagen planen und das letzte Quäntchen Ertrag aus ihrer Fläche holen wollen.
Für die kann sich die Nachführung richtig lohnen.
Wir bei Solarsorglos rechnen bei jedem größeren Projekt ehrlich durch, ob sich der Tracker gegenüber einer festen Anlage auszahlt – inklusive der zusätzlichen Wartung über die ganze Laufzeit.
Und beim privaten Hausbesitzer sind wir genauso ehrlich und raten in aller Regel zur bewährten festen Anlage.
Es geht immer darum, was für dich unterm Strich am meisten bringt, nicht darum, was am meisten glänzt.
Das ist ein wunderbar geerdeter Blick auf eine faszinierende Technik.
Vielen Dank, Maik, dass du die Begeisterung gleich mit der nötigen Vernunft verbunden hast.
Sehr gerne, Solaria.
Bewegung ist beeindruckend, aber manchmal ist die einfachste, stillste Lösung die beste.
Auch das gehört zur Wahrheit über die Sonne.
Bevor wir für heute Schluss machen, noch ein kurzer Ausblick.
In der nächsten Folge, Nummer vierundfünfzig, geht es um ein Thema, das jeden Ertrag heimlich auffressen kann: Verschattung.
Wir reden über Schatten, über die kluge Verschaltung der Module in Strings – und warum ein einziger Baum manchmal eine ganze Anlage ausbremst.
Wir hoffen, du bist auch dann wieder neugierig dabei.
Bis dahin, hab eine sonnige Zeit und denk an die Sonnenblume.
Macht's gut und bis bald!
Die in diesem Podcast geteilten Informationen dienen deiner allgemeinen Information über Solar-Tracker und Nachführsysteme.
Sie stellen keine Energie-, Finanz- oder Unternehmensberatung dar.
Die Planung und Auslegung einer Solaranlage erfordert eine detaillierte fachliche Analyse durch qualifizierte Fachplaner und Installateure.
Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.