Hier zusammen und willkommen zu einer neuen, energiegeladenen Folge des Solarsorglos-Podcasts.
Heute knacken wir eine der wichtigsten Nüsse der Energiewende.
Wir reden nicht nur darüber, wie wir sauberen Strom erzeugen,
sondern wie wir ihn verfügbar machen, wann immer wir ihn brauchen.
Auch nachts, auch an dunklen Wintertagen.
Es geht um Solarenergie und Speichertechnologien, um die Batterien der Zukunft.
Ich freue mich, dass unser Chefvisionär Maik Marx wieder am Start ist.
Hallo Solaria, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Ja, heute geht es ans Eingemachte.
Eine Solaranlage auf dem Dach zu haben, ist der erste fantastische Schritt.
Aber die wahre Unabhängigkeit, die echte Energierevolution für dein Zuhause,
die beginnt erst mit dem richtigen Speicher.
Er ist das Herzstück deiner persönlichen Energiewende.
Er macht dich vom reinen Stromproduzenten zum souveränen Energiemanager deines
eigenen kleinen Ökosystems.
Souveräner Energiemanager, das klingt großartig. Wenn wir heute über Heimspeicher
sprechen, reden die meisten ja von Lithium-Ionen-Batterien.
Aber ist Lithium-Ion gleich Lithium-Ion? Oder gibt es da Unterschiede, die man kennen muss?
Das ist der entscheidende Punkt. Unter dem Oberbegriff Lithium-Ionen tummeln
sich ganz unterschiedliche Technologien.
Und die Wahl der richtigen Chemie entscheidet über die Sicherheit,
die Lebensdauer und die Wirtschaftlichkeit deines gesamten Systems.
Die zwei wichtigsten Typen, die du heute im Heimspeicherbereich findest,
sind Lithium-Eisenphosphat, kurz LFP, und Nickel-Mangan-Kobaltoxide, kurz NMC.
LFP und NMC, das müssen wir für unsere Zuhörer mal auseinandernehmen. Fangen wir mit NMC an.
Das klingt komplizierter. Was steckt dahinter?
NMC-Zellen sind sozusagen die Sprinter unter den Batterien.
Sie haben eine sehr hohe Energiedichte, das heißt, sie können auf kleinem Raum
sehr viel Energie speichern.
Deshalb findest du sie in fast allen Elektroautos, wo es auf jedes Gramm und
jeden Zentimeter ankommt. Sie sind leicht und kompakt.
Der große Nachteil ist aber Ihre chemische Zusammensetzung.
Sie enthalten kritische Rohstoffe wie Kobalt, dessen Abbau oft unter problematischen
Bedingungen stattfindet.
Außerdem sind Sie thermisch nicht so stabil.
Bei einer Beschädigung oder Überladung können Sie im schlimmsten Fall in einen
sich selbst verstärkenden Brand geraten, Das sogenannte thermische Durchgehen.
Ihre Lebensdauer ist mit etwa 3.000 bis 5.000 Ladezyklen auch eher begrenzt.
Das klingt nach einigen Kompromissen, gerade beim Thema Sicherheit und Lebensdauer.
Wie sieht es da bei der anderen Technologie aus, bei LFP?
LFP, also Lithium-Eisenphosphat, ist der Marathonläufer.
Diese Zellen haben eine etwas geringere Energiedichte, sind also bei gleicher
Kapazität etwas größer und schwerer.
Aber für einen stationären Heimspeicher, der im Keller oder im Hauswirtschaftsraum
steht, ist das absolut kein Problem.
Die Vorteile sind dafür gewaltig. Erstens, sie sind extrem sicher.
LFP-Zellen sind chemisch so stabil, dass ein thermisches Durchgehen praktisch ausgeschlossen ist.
Du kannst einen Nagel durch eine geladene LFP-Zelle schlagen und es passiert nichts.
Zweitens, sie sind unglaublich langlebig. Wir sprechen hier von 6000 bis über 10.000 Ladezyklen.
Das bedeutet, du kannst den Speicher über 20 Jahre lang jeden Tag voll,
be- und entladen, ohne dass er nennenswert an Kapazität verliert.
Und drittens, sie kommen komplett ohne Kobalt und Nickel aus.
Das macht sie nicht nur ethisch unbedenklicher, sondern auch deutlich günstiger in der Herstellung.
Wenn ich das so höre, klingt LFP für den Einsatz zu Hause ja nach der klar überlegenen Technologie.
Warum werden dann überhaupt noch NMC-Speicher verkauft?
Das hat historische Gründe. Die NMC-Technologie war früher in der Entwicklung
und wurde durch die E-Auto-Industrie massiv vorangetrieben.
Viele Hersteller haben diese Technologie dann einfach für den Heimspeichermarkt adaptiert.
Heute hat sich das Blatt aber komplett gewendet. Fast alle führenden Hersteller
von Heimspeichern setzen mittlerweile auf die sichere und langlebigere LFP-Technologie.
Als Kunde solltest du heute bei einem neuen Heimspeicher unbedingt darauf achten,
dass es sich um einen LFP-Speicher handelt.
Alles andere ist aus meiner Sicht nicht mehr Stand der Technik für diese Anwendung.
Das ist eine sehr klare Ansage. Jetzt schauen wir aber mal in die Zukunft.
Man hört immer wieder von neuen Wunder-Akkus.
Was ist denn das nächste große Ding, das wirklich auf den Markt kommt?
Das nächste große Ding, das bereits in den Startlöchern steht und den Markt
verändern wird, sind Natrium-Ionen-Batterien.
Stell dir eine Batterie vor, die ähnlich funktioniert wie eine Lithium-Ionen-Batterie,
aber statt des knappen und teuren Lithiums einfach Natrium verwendet.
Natrium ist eines der häufigsten Elemente auf der Erde. Es ist in jedem Salzkorn
enthalten, quasi unbegrenzt verfügbar und spottbillig.
Die Technologie ist mittlerweile so weit, dass die ersten großen Hersteller
in China die Massenproduktion starten.
Natriumionen-Akkus werden zwar nicht die hohe Energiedichte von Lithium-Akkus
erreichen, aber für stationäre Heimspeicher ist das, wie wir gelernt haben, gar nicht so wichtig.
Ihre Vorteile sind die extrem niedrigen Kosten, die hohe Sicherheit und die
Tatsache, dass sie auch bei tiefsten Temperaturen noch hervorragend funktionieren.
Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren die ersten
bezahlbaren Natrium-Ionen-Heimspeicher auf dem Markt sehen werden.
Das sind ja fantastische Aussichten, gerade was die Kosten angeht.
Aber es gibt ja noch diesen einen Begriff, der immer wie der heilige Gral der
Batterieforschung klingt, die Feststoffbatterie. Was hat es damit auf sich?
Die Feststoffbatterie oder Solid-State-Batterie ist tatsächlich der Traum aller Batterieentwickler.
Bei allen bisherigen Technologien, über die wir gesprochen haben,
bewegen sich die Ionen durch einen flüssigen Elektrolyten.
Diese Flüssigkeit ist der Schwachpunkt. Sie ist brennbar, sie altert und sie
begrenzt die Energiedichte.
Bei einer Feststoffbatterie wird dieser flüssige Elektrolyt durch eine hauchdünne
Schicht aus einem festen Material ersetzt, zum Beispiel eine spezielle Keramik oder ein Polymer.
Das hat revolutionäre Vorteile. Die Energiedichte kann sich theoretisch verdoppeln oder verdreifachen.
Das heißt, ein Akku gleicher Größe könnte die doppelte oder dreifache Kapazität haben.
Sie wären absolut sicher, da nichts Brennbares mehr enthalten ist.
Und ihre Lebensdauer könnte nochmals drastisch steigen.
Die Herausforderung ist aber, diesen festen Elektrolyten so herzustellen,
dass er über tausende Ladezyklen stabil bleibt und die Ionen schnell genug leitet.
Daran forschen alle großen Unternehmen weltweit mit Hochdruck.
Es wird aber sicher noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis wir diese Technologie
in der breiten Masse sehen.
Das klingt, als würde die Entwicklung nie stillstehen. Gibt es denn auch noch
andere, vielleicht exotischere Technologien für ganz große Speicher,
zum Beispiel für ganze Stadtviertel?
Ja, absolut.
Für sehr große stationäre Anwendungen, wo es nicht auf die Größe ankommt,
sind Redox-Flow-Batterien eine extrem spannende Technologie.
Hier wird die Energie nicht in festen Elektroden gespeichert,
sondern in zwei flüssigen Elektrolyten, die in großen Tanks gelagert werden.
Zum Laden und Entladen werden diese Flüssigkeiten an einer Membran vorbeigepumpt.
Der Clou dabei ist, die Leistung und die Kapazität sind komplett voneinander entkoppelt.
Brauchst du mehr Leistung, machst du die Membran größer.
Brauchst du mehr Kapazität, stellst du einfach größere Tanks auf.
Man kann sie beliebig oft laden und entladen, ohne dass sie altern und sie sind nicht brennbar.
Für den Heimgebrauch sind sie zu komplex und zu groß.
Aber um zum Beispiel den Strom aus einem ganzen Windpark zu speichern,
sind sie eine geniale Lösung.
Wow, das ist ein faszinierender Überblick, wenn jetzt jemand heute vor der Entscheidung
steht, einen Speicher zu kaufen.
Was ist dein ganz konkreter Rat nach allem, was wir jetzt wissen?
Mein Rat ist ganz klar. Setze heute auf einen qualitativ hochwertigen LFP-Speicher
eines etablierten Herstellers.
Diese Technologie ist ausgereift, extrem sicher, langlebig und bietet das beste
Preis-Leistungs-Verhältnis.
Warte nicht auf die Wunderbatterie der Zukunft. Die heutige Technologie ist
bereits so gut und wirtschaftlich, dass sich die Investition lohnt.
Mit einem LFP-Speicher machst du für die nächsten 15 bis 20 Jahre alles richtig
und profitierst ab dem ersten Tag von deiner Unabhängigkeit.
Das ist ein perfektes Schlusswort. Vielen Dank, Maik, für diese unglaublich
spannende Reise in die Welt der Batteriespeicher.
Sehr gerne, Solaria. Es ist ein Feld, das sich rasant entwickelt und das Herzstück
der gesamten Energiewende ist.
Bevor wir uns verabschieden, noch der kurze Ausblick auf unsere nächste Folge.
In Folge 43 geht es um Solarenergie für Pflegeheime und wie soziale Einrichtungen
nachhaltig und sicher mit Sonnenstrom betrieben werden können.
Wir hoffen, du bist auch dann wieder dabei. Bis dahin, bleib geladen und hab eine gute Zeit.
Mach's gut und bis bald.
Die in diesem Podcast geteilten Informationen dienen deiner allgemeinen Information
über Speichertechnologien.
Sie stellen keine Kauf- oder Anlageberatung dar.
Die Auswahl und Installation eines Batteriespeichers erfordert eine genaue Analyse
deiner Bedürfnisse und der Gegebenheiten vor Ort.
Wende dich für eine detaillierte Planung bitte an einen qualifizierten Fachbetrieb.
Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.