Moin Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Solarsorglos-Podcasts.
Heute geht es raus aufs Land, dorthin, wo unsere Lebensmittel herkommen und
wo oft die größten Dächer zu finden sind.
Wir sprechen über Solarenergie für Landwirte und wie man die riesigen Dächer
von Scheunen und Ställen optimal für die Sonnenenergie nutzen kann.
Ich freue mich sehr, dass unser Experte Maik Marx wieder bei uns ist.
Hallo Solaria und ein kräftiges Hallo an alle Landwirte und Freunde der Landwirtschaft da draußen.
Das ist ein Thema, das mir unglaublich
viel Spaß macht, denn hier trifft Tradition auf Hochtechnologie.
Landwirte waren schon immer Pioniere und Energiemanager. Sie wissen,
wie man mit den Ressourcen der Natur arbeitet. und Solarenergie ist die reinste
Form der Ressourcennutzung.
Die Dächer auf landwirtschaftlichen Betrieben sind oft wahre Goldgruben.
Riesig, unverschattet und perfekt für die solare Stromerzeugung im großen Stil.
Goldgruben, das klingt vielversprechend. Wenn du von riesigen Dächern sprichst,
worüber reden wir da genau?
Und was macht die Landwirtschaft zu einem so idealen Anwendungsfall für Solarenergie?
Die Dimensionen sind beeindruckend. Eine durchschnittliche Scheune hat oft eine
Dachfläche von 500 bis über 2000 Quadratmetern.
Darauf lassen sich problemlos Anlagen mit einer Leistung von 100 bis zu 500
Kilowatt Peak installieren.
Das ist das Hundertfache einer typischen privaten Hausanlage.
Der Idealfall ist aber der hohe Eigenverbrauch. Ein moderner landwirtschaftlicher
Betrieb ist ein energieintensives Unternehmen.
Denk an die Melkmaschinen, die Kühlung der Milch, die Belüftung der Ställe,
die Fütterungsanlagen, die Bewässerungssysteme oder die Trocknung von Getreide.
All das verbraucht rund um die Uhr Strom, oft genau dann, wenn die Sonne am stärksten scheint.
Dieser hohe Eigenverbrauch macht die Investition extrem rentabel,
weil der teure Strom vom Energieversorger direkt durch den eigenen günstigen
Solarstrom ersetzt wird.
Das leuchtet ein. Der Strom wird also direkt vor Ort verbraucht.
Aber die Umgebung auf einem Bauernhof ist ja oft rauer als in einem Wohngebiet.
Ich denke da an Staub, Ammoniak aus den Ställen oder auch mal stärkere Witterung.
Halten die Solarmodule das aus?
Ein sehr wichtiger Punkt. Die Bedingungen sind definitiv anspruchsvoller.
Staub, Pollen und vor allem die aggressiven Ammoniakdämpfer aus der Tierhaltung
können die Module und die Unterkonstruktion angreifen.
Deshalb ist die Wahl der richtigen Komponenten entscheidend.
Man sollte hier unbedingt auf Qualität setzen. Es gibt spezielle,
ammoniakbeständige Solarmodule und Montagesysteme, die für den Einsatz in der
Landwirtschaft zertifiziert sind.
Diese sind zwar in der Anschaffung etwas teurer, aber das zahlt sich durch eine
längere Lebensdauer und geringere Wartungskosten um ein Vielfaches aus.
Auch die regelmäßige Reinigung der Module ist wichtiger als bei einer privaten
Anlage, um die volle Leistung zu erhalten. Viele Landwirte integrieren das aber
einfach in ihre normalen Betriebsabläufe.
Qualität ist also entscheidend.
Lass uns über die Wirtschaftlichkeit sprechen. Du sagtest, die Investition sei extrem rentabel.
Kannst du das mal an einem konkreten Beispiel festmachen?
Sehr gerne. Nehmen wir einen Milchviehbetrieb mit einem Stromverbrauch von 80.000
Kilowattstunden pro Jahr.
Das ist nicht unüblich. Bei einem Strompreis von, sagen wir,
30 Cent pro Kilowattstunde hat der Landwirt jährliche Stromkosten von 24.000 Euro.
Jetzt installieren wir eine Solaranlage mit 100 Kilowatt Peak.
Die kostet inklusive Montage und aller Komponenten etwa 100.000 Euro.
Diese Anlage erzeugt rund 90.000 Kilowattstunden pro Jahr.
Wenn der Betrieb es schafft, 50% davon selbst zu verbrauchen,
also 45.000 Kilowattstunden, spart er allein dadurch 13.500 Euro pro Jahr.
Die restliche Energie wird ins Netz eingespeist und vergütet.
Zusätzlich gibt es für Landwirte fantastische steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten
wie den Investitionsabzugsbetrag,
mit dem man bis zu 50% der Kosten schon vor der Investition steuerlich geltend machen kann.
Unter dem Strich kann sich eine solche Anlage oft schon nach 6 bis 8 Jahren amortisieren.
Danach produziert sie für mindestens 15 weitere Jahre fast kostenlosen Strom.
6 bis 8 Jahre, das ist eine Ansage. Das ist ja schneller als bei vielen privaten Anlagen.
Du hast den Eigenverbrauch angesprochen. Wie kann ein Landwirt den denn gezielt erhöhen?
Das ist der Schlüssel zur maximalen Rentabilität. Es geht um intelligentes Last
Management. Das bedeutet, man versucht, die großen Stromverbraucher gezielt
dann laufen zu lassen, wenn die Sonne scheint.
Man kann zum Beispiel die Kühlaggregate für die Milch tagsüber stärker herunterkühlen,
um die thermische Trägheit als Speicher zu nutzen.
Oder man lädt die Batterien von elektrischen Hofladern oder anderen Fahrzeugen mitten am Tag.
Moderne Energiemanagementsysteme können das sogar vollautomatisch steuern.
Sie wissen, wann ein Solarüberschuss da ist und schalten dann gezielt die Verbraucher zu.
Die nächste Stufe ist dann ein großer Batteriespeicher, um den Sonnenstrom auch
für die Nacht oder die frühen Morgenstunden zu sichern, wenn zum Beispiel die
erste Melkrunde ansteht.
Batteriespeicher sind also auch in der Landwirtschaft ein großes Thema.
Und wie sieht es mit der Kombination mit anderen Technologien aus?
Ich habe mal von AgriPV gehört. Ist das dasselbe?
AgriPV oder genauer gesagt AgriPhotovoltaik ist ein verwandtes, aber anderes Konzept.
Bei der klassischen Anlage, über die wir gerade sprechen, nutzen wir die Dächer der Gebäude.
AgriPV geht einen Schritt weiter und integriert die Solarmodule direkt in die
landwirtschaftliche Nutzfläche.
Man baut die Module zum Beispiel in großer Höhe über einem Acker auf,
sodass darunter weiterhin Traktoren fahren und Pflanzen wachsen können.
Das hat den doppelten Nutzen von Stromerzeugung und landwirtschaftlichem Anbau auf derselben Fläche.
Die Module können die Pflanzen sogar vor zu starker Sonneneinstrahlung,
Hagel oder Austrocknung schützen.
Das ist ein extrem spannendes Zukunftsfeld, das aber noch in der Entwicklung und Erprobung ist.
Die Nutzung der riesigen, bereits vorhandenen Scheunendächer ist der erste,
logische und wirtschaftlich attraktivste Schritt für fast jeden Landwirt.
Das ist eine gute Unterscheidung. Zurück zu den Dächern.
Gibt es neben den steuerlichen Vorteilen auch spezielle Förderprogramme für
Landwirte, die auf Solar umsteigen wollen?
Ja, die gibt es. Die Förderlandschaft ist zwar immer in Bewegung,
aber die Landwirtschaft steht oft im Fokus.
Es gibt spezielle Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau,
kurz KfW, mit zinsgünstigen Darlehen für Energieeffizienzmaßnahmen.
Auch die Bundesländer haben oft eigene Fördertöpfe für die Landwirtschaft.
Ein guter Energieberater, der sich auf die Landwirtschaft spezialisiert hat,
kann hier helfen, die passenden Programme zu finden und die Anträge zu stellen.
Wichtig ist, die Förderung immer vor Beginn der Maßnahme zu beantragen.
Das ist ein entscheidender Punkt, den man nicht vergessen darf.
Das ist ein wertvoller Tipp. Wenn du jetzt einem Landwirt, der gerade zuhört
und überlegt, den Schritt zu wagen, einen Rat geben müsstest,
was wäre das Wichtigste?
Das Wichtigste ist, fang an, dich damit zu beschäftigen.
Lass dir von einem unabhängigen Experten eine Potenzialanalyse für deinen Hof machen.
Wie hoch ist dein Verbrauch? Welche Dachflächen sind geeignet?
Wie hoch wäre dein Eigenverbrauchsanteil? Eine solche Analyse kostet nicht die
Welt, gibt dir aber eine fundierte Grundlage für deine Entscheidung.
Der zweite Rat ist, denk groß. Die Dächer sind riesig, nutze das Potenzial.
Eine zu klein dimensionierte Anlage ärgert dich später nur.
Und der dritte Rat, setze auf Qualität. Dein Hof ist dein Kapital.
Die Solaranlage wird für die nächsten 20 bis 30 Jahre ein Teil davon sein.
Hier bei den Komponenten zu sparen, ist der falsche Weg.
Das ist ein starkes Plädoyer. Vielen Dank, Maik, für diese unglaublich detaillierten
und praxisnahen Einblicke in die Welt der Solarenergie für die Landwirtschaft.
Sehr gerne, Solaria. Es ist einfach ein fantastisches Feld, in dem man als Landwirt
seine Zukunft selbst in die Hand nehmen und ein echter Energiewirt werden kann.
Bevor wir uns für heute verabschieden, hier noch unser Ausblick auf die nächste Folge.
In Folge 42 tauchen wir tief in die Welt der Speicher ein.
Es geht um Solarenergie und Speichertechnologien. Und wir schauen uns die Batterien der Zukunft an.
Wir hoffen, du bist auch dann wieder mit dabei. Bis dahin, hab eine ertragreiche
und sonnige Zeit. Mach's gut.
Bleib neugierig und bis zum nächsten Mal.
Die Informationen in diesem Podcast dienen deiner allgemeinen Orientierung zum
Thema Solarenergie in der Landwirtschaft. Sie ersetzen keine individuelle Energie-,
Finanz- oder Steuerberatung.
Die Planung und Installation von Großanlagen unterliegt spezifischen Vorschriften
und erfordert eine detaillierte fachliche Prüfung.
Für eine auf deinen Betrieb zugeschnittene Planung wende dich bitte an qualifizierte
Fachberater und Installateure.
Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.